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TGL und DIN

Messen mit zweierlei Maß

Ein Blatt Papier mit den Maßen 21,0 cm mal 29,7 cm - das ist DIN A4; und kennt so auch jeder heutzutage. Auch in der damaligen DDR wurde das Format im Volksmund so genannt. Doch offiziell hieß es damals in der DDR TGL 0-476, denn die DDR kam 1955 mit einem eigenen Standard daher: den Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen - TGL.

Die Welt des Maschinenbaus, des Bauwesens und anderer Bereiche wurde deshalb aber nicht neu erfunden. Die DDR übernahm zwangsläufig viele etablierte DIN-Normen, zum Beispiel den Papier-Standard aus dem Jahr 1922. Bei den TGL-Nummern konnte man das an der vorangesetzten Null erkennen: Aus DIN A4 zum Beispiel wurde also TGL 0-476. Und über diesen Kniff besaßen Entwickler und Ingenieure in den beiden deutschen Staaten weiter eine Verständigungsbasis. Die Übernahme von DIN-Normen und ihre Kenntlichmachung dürften auch den Export von DDR-Erzeugnissen in die Bundesrepublik erleichtert haben.

Mit der Wiedervereinigung fand dann am 4. Juli 1990 auch in Sachen Normung und Standardisierung die Kehrtwende statt. Rund 35 Jahre nach ihrer Einführung wurden die TGL wieder von den DIN abgelöst. So ganz gehören die TGL aber noch nicht der Vergangenheit an. Für Abriss, Umbau oder Sanierung von Gebäuden aus der DDR-Zeit zum Beispiel kann eine gewisse Kenntnis der damaligen Bauvorschriften von Vorteil sein. Manche TGL wurden in die entsprechende DIN aufgenommen, etwa in die Vorgaben für Stauanlagen. Und manche TGL - zum Beispiel für Kleinteile wie Federn - unterschieden sich so sehr vom DIN-Gegenstück, dass sie heute immer noch in Gebrauch sind. Eine große Sammlung an alten TGL besitzt zum Beispiel das Online-Archiv der Bauhaus Universität Weimar.

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